Donnerstag, 14. Februar 2013

Arthur´s Point



Szenerie am Lake Pukaki

7. Etappe: Arthur´s Point

Unsere nächste Etappe führte uns durch den Südzipfel der Westlands, vorbei an Mount Cook (oder Aroaki, wie ihn die Maori nennen), dem mit 3593 Meter höchsten Berg Neuseelands. Zunächst hielten wir am Lake Pukaki. Von hier hat man einen großartigen Blick auf Mt. Cook und das ihn umgebende Gebirge. Weiter ging es nach Aroaki Town selbst. Einem aus einem Hotel und einem Museum bestehenden "ort", von wo wir einen Wanderweg zum Kea Point nahmen. Nach etwa einer Stunde waren wir am Ziel angekommen. Wir standen nun beinahe am Fuße der höchsten Erhebung Neuseelands. Links von uns strahlte der Huddleston Glacier.




Mount Cook vom Ufer des Lake Pukaki aus betrachtet, Huddleston-Gletscher, Lake Ohau

Zurück im Auto peilten wir Lake Ohau an. Von hier sah man auf die Rückseite der Gebirgskette. Aber der Wind wehte viel zu heftig, als dass wir uns hier lange hätten aufhalten können. Über den gewundenen State Highway 8 fuhren wir zum noch viel kurvigeren State Highway 6. Die Gegend hier hieß jetzt nicht mehr "Mackenzie District" (ein von Gletschern vor über 16.000 Jahren platt gewalztes Plateau), sondern "Central Otago". Und auch die Landschaft änderte sich: Die Gegend ist wieder deutlich vulkanischer geprägt, an den spärlich begrünten Hängen grasen Merino-Schafe und in den Tälern zwischen den zahlreichen Hügeln wächst Wein.

Durch diese wunderschöne Landschaft hindurch, folgten wir dem Weg nach Arthur´s Point, einem winzigen Vorort von Queenstown, wo wir die ersten beiden Nächte verbringen werden. Kathi hatte vor einiger Zeit einen Gutschein erworben und nun residieren wir fürstlich in einem Luxus-Apartement, in dem wir sogar duetlich mehr haben als wir eigentlich bräuchten.




Das warme Bett werden wir allerdings nicht allzu lange genießen können. Morgen geht es (erneut viel zu) früh raus, da wir eine Radtour durch Central Otago machen werden.

Otago Central Rail Trail

 



 
Am heutigen Tag schwangen wir uns auf die Sättel. Nach einer frühmorgendlichen einstündigen Fahrt in das nicht wirklich sehenswerte Clyde (einem ehemaligen Goldgräberort), gelangten wir bei dem Radverleih an. Dort erhielten wir unsere modern aussehenden Fahrräder und wurden von einem redseligen Briten nach Auripo gefahren. Auripo liegt im Mittelteil des Rail Trails und begleitet von einem Schmunzeln hatte man uns mitgeteilt, dass die 57 km lange Strecke zurück nach Clyde ohnehin nur bergab führe, weshalb das Ganze ja total locker zu meistern sei. Von wegen! Erstens sind wir nicht die geborenen Radfahrer und zweitens fühlte sich die geringe Neigung wegen des Untergrundes (grober Schotter) überhaupt nicht an, als ginge es die ganze Zeit bergab. Nach etwa der Hälfte der Strecke jedenfalls waren wir heilfroh, in diese Richtung und nicht etwa bergan geradelt zu sein.

Der Rail Trail führte von Auripo durch wunderschöne - irgendwie nicht real wirkende - Landschaft. Hier wurden natürlich auch Szenen für „Herr der Ringe“ gedreht. Unser Fahrer hatte uns erzählt, dass hier die Szenen, die im Königreich Rohan spielen, gedreht worden sind.

Landschaft am Rand der Radstrecke
 
Nach wenigen Kilometern ging es durch zwei Tunnel und über zwei Brücken (Viaducts genannt). Es war empfohlen worden, eine Taschenlampe mit auf den Weg zu nehmen, da es in den Tunnel tatsächlich auch stockfinster war. In der Folge wurde an der Streckenführung auch deutlich, dass der Radweg früher ein Bahndamm gewesen ist. Ohne allzu große Windungen führte er uns durch nun felsigeres Gebiet, das gleichzeitig üppiger bewachsen war. Diese hügelige Landschaft wurde von größeren Bergen zur Rechten und zur Linken gesäumt.

Mit dem Wetter hatten wir mal wieder riesiges Glück. Es war eher zu warm als zu kalt, es gab kaum Wind und die Sonne schien die gesamte Zeit über. Auf den letzten Kilometern von Alexandra nach Clyde ging allerdings die gute Laune allmählich flöten. Die Strecke war nun schnurgerade, die Landschaft an dieser Stelle langweilig und wir waren ganz schön geschafft. Als wir wieder bei der großen Halle des Radverleihs ankamen, waren wir äußerst froh wieder gehen zu dürfen.

Zur Belohnung bugsierten wir unsere schmerzenden Hintern am Abend auf die Barhocker eines Irish Pubs in Queenstown, wo wir uns Pizzen schmecken ließen.
 

Lake Tekapo

 

6. Etappe: Lake Tekapo



Am Mittag verließen wir ganz gemütlich und ein wenig traurig Dunedin. Wir hatten hier eine tolle Zeit gehabt, und Lyn und den Rest der Familie verlassen zu müssen war wirklich schade. Wir fuhren gen Norden und bogen bei Timaru nach links in Richtung Tekapo ab. Nach etwa 4 Stunden waren wir angekommen. Während es noch 10km vor dem Ort finster und stark bewölkt war, rissen die Wolken als wir am Lake Tekapo ankamen auf und der See offenbarte seine ganze Schönheit. Der See wird von Gletscherwasser gespeist und besitzt deswegen einen besonderen Türkis-Ton und ist sehr, sehr kalt. Bevor wir in unserem Hostel ein gemütliches Zimmer bezogen, schauten wir noch bei den lokalen "Sehenswürdigkeiten" Collie-Statue und alte Kirche vorbei. Es war wirklich nicht leicht, hier an den asiatischen Touristen vorbei zu fotografieren...



Church of the Good Shepherd am Lake Tekapo, Helge am Gipfel des Mt. John, Ausblick auf Lake Alexandrina (links im Bild) und Lake Tekapo

Vorm Abendessen machten wir noch eine Wanderung zum Gipfel des Mount John. Der Berg erstreckt sich direkt neben dem Tekapo-See und beherbergt ein Observatorium der Universität von Canterbury. Der nächtliche Sternenhimmel rund um Tekapo ist einmalig. Die Gegend gilt als am geringsten lichtverschmutzt von allen Orten Neuseelands. Davon überzeugten wir uns bei einem nächtlichen Spaziergang natürlich selbst. Und solch einen Sternenhimmel hatten wir auch tatsächlich zuvor noch nie gesehen!

Sonntag, 10. Februar 2013

Dunedin

5. Etappe: Dunedin

Am Morgen des 9. Februar führte uns unser Weg über den State Highway 1 in Richtung Süden. In Timaru machten wir einen kleinen Umweg durch eine Straße mit historischen Häusern. Die kleine Stadt ist bekannt für ihre hübschen Sandstein-Bauten. Weiter ging es nach Oamaru, wo wir eine Pause einlegten.

Oamaru ist vor allem für seine Zwergpinguin-Kolonie bekannt. Als wir in den kleinen Hafen einbogen, warnten uns verschiedene Schilder davor, Mitglieder dieser Spezies zu überfahren. Wir hätten jede Menge Geld investieren müssen, um uns Einlass zur Kolonie zu verschaffen (außerdem kann man die Pinguine meist nur abends oder früh morgens beobachten), weshalb wir uns wieder ins Auto schwangen und bei Sonnenschein zu unserem nächsten Ziel aufbrachen.

Bei Moeraki folgten wir den Straßenschildern in das kleine, malerische Fischerdorf. Auf Tipp von Arne hin, bei dem wir zwei Nächte in Wellington verbracht hatten, hatten wir einen Tisch bei "Fleur´s Place" gebucht. Es handelt sich dabei um ein bekanntes Fischrestaurant mit exquisiter Küche und äußerst erschwinglichen Preisen. Dort angekommen, bestellten wir einen Fisch des Tages für 2 Personen - frisch aus dem Hafen. Das Essen war einfach köstlich!

Hinterher machten wir einen "Verdauungsspaziergang" entlang der Küste. Während wir gegessen hatten, war das Wetter allerdings ein wenig umgeschlagen. Dichter Nebel war aufgezogen. Als wir wieder zurück waren, steigen wir ins Auto und besichtigten die Moeraki Boulders. Bei ihnen handelt es sich um vor 60 Millionen Jahren entstandene, kugelförmige Felsen aus Kalksalzstein, die durch eine Anhebung des Seebodens an den Strand bei Moeraki befördert worden waren.




Helge und Kathi bei den Moeraki Boulders

Unsere letzte Teiletappe des Tages führte uns nach Dunedin, wo Kathi vor 6 Jahren bei einer Gastfamilie gelebt hatte. Dementsprechend aufgeregt war sie, als wir in die Einfahrt ebendieser Familie einbogen. Herzlich wurden wir von Lyn, ihrer ehemaligen Gastmutter, empfangen. Auch Jayne, bei der wir die letzten beiden Nächte verbracht hatten, war da sowie Johann, der aktuelle deutsche Austauschschüler.




Zwergpinguine bei ihrer Ankunft an Land. Hier auf der Otago-Halbinsel haben die schnellen und kamerascheuen Tiere ihre Brutstätten.

Nachdem wir uns - erneut mit einer Portion Fisch - gestärkt hatten, machten wir in der Abenddämmerung einen Ausflug auf die Otago Peninsula, um die hiesige Zwergpinguin-Population bei ihrer Ankunft an Land zu beobachten. Mit dabei waren Lindsey, ein Freund der Familie und ehemaliger Mathe-Lehrer Kathis, und Freunde von Lyn. Wir zahlten 10 Dollar Eintritt und brachten uns dann auf einer kleinen Plattform direkt am Strand in Position. Und tatsächlich: Kurz nachdem die Sonne am Horizont verschwunden war, ließen sich die ersten Pinguine blicken. Und die heißen nicht umsonst Zwergpinguine. Es sind die kleinsten Pinguine der Welt, die sich dort jeden Abend aus der See die Hänge der Halbinsel hinaufquälen. Dabei müssen sie vor allem aufpassen, nicht von Seehunden gefressen zu werden, und dazu nutzen sie eine besondere Taktik: Sie schwimmen in einem Dichten Schwarm aus mindestens 15 Pinguinen durchs Wasser, um den Eindruck zu erwecken etwas Großes, schwer Verdauliches zu sein und die Seehunde abzuschrecken.

The Catlins


Am nächsten Tag fuhren wir mit Lyn und Johann in die Catlins, eine Gegend südlich von Dunedin, die durch wunderschöne Landschaft und Einsamkeit besticht. Für gutes Wetter ist die, überwiegend von Nachfahren schottischer Siedler bewohnte, Region nicht bekannt. Und so waren wir überaus glücklich, dass es zwar bewölkt war, aber warm und ohne Regen blieb.




Leuchtturm am Nugget Point, die "Nuggets" (Mitte)

Wir fuhren auf direktem Wege zu einem Ort namens Kaka Point, von wo eine Schotterstraße hinauf zum "Nugget Point" führt. Der Aussichtspunkt verdankt seinen Namen einer Gruppe von Felsen (den Nuggets) vor der Steilküste. Ein Pfad windet sich vom Parkplatz hinauf  zu einem Leuchtturm, von wo aus man einen wunderschönen Ausblick hat - und angeblich auch Wale sichten kann. Wir sahen nur Seelöwen, waren aber "dennoch" beeindruckt von der Landschaft.



Buschlandschaft in den Catlins, Purakaunui Falls, Matai Falls

Nach einem Picknick in Kaka Point fuhren wir tiefer hinein in die Catlins und stoppten bei einem bekannten Wasserfall namens Purakaunui Falls. Wir setzen unsere Wasserfall-Foto-Tour einige Kilometer entfernt fort. Es lockten die Matai Falls und der Horseshoe-Wasserfall. Von dort aus machten wir uns auf den Rückweg und hielten nur noch einmal. Und zwar bei Kühen der Gattung "Belted Galloway", die aussehen als würden sie einen dicken weißen Gürtel tragen: zum Wegschmeißen komisch!

"Streifen-Kühe" bei Balclutha

Die Könige der Lüfte und ein Spaziergang durch die Vergangenheit

 

Als wir am Montagmorgen von Kathis Sport-verrücktem Gastbruder Josh wegen eines Fußballspiels im Fernsehen früh morgens geweckt wurden, kamen wir aufgrund aufkommender Müdigkeit schnell zu der gemeinsamen Entscheidung, lange Autofahrten am heutigen Tag zu vermeiden und stattdessen die nähere Umgebung und die Stadt Dunedin selbst zu erkunden.

Nach einem ausgedehnten Fußball-Frühstück mit allerhand Diskussionen zwischen Josh und Helge über die Qualität der englischen und deutschen Fußball-Ligen machten wir uns zunächst auf den Weg zum Royal Albatross Centre, an der äußersten Spitze der Otage Peninsula. Die so genannten Nördlichen Königsalbatrosse haben sich an diesem Punkt der Otago Halbinsel aufgrund der starken Winde angesiedelt, die sie innerhalb weniger Momente hoch in die Lüfte tragen. 85% ihrer Lebenszeit verbringen diese Tiere draußen im oder über dem Meer. Um sich mit Nahrung wie beispielsweise Tintenfisch oder Quallen zu versorgen, sind Albatrossen sogar dazu in der Lage, einige Meter zu tauchen. Die ersten 7 Lebensjahre verbringen die Jungtiere ausschließlich auf See. Erst danach kehren sie zurück zu besonders nassen und windigen Punkten der Erde, um dort meist einen Partner auf Lebenszeit zu finden und jedes zweite Jahr ein Albatross-Küken aufzuziehen. Diese aus menschlicher Perspektive äußerst ungemütlichen Orte befinden sich fast ausschließlich auf abgelegenen Inseln. Die Spitze der Otage Peninsula, der Taiaroa Head, ist die einzige Albatross-Brutstelle auf dem Festland auf der ganzen Welt. Die Tiere beeindrucken die Besucher mit einer Flügelspannweite von über drei Metern, mit denen sie beinahe schwerelos durch die Lüfte gleiten. Während unser sehr begrenzten Besuchszeit hatten wir das Glück sowohl einige Albatrosse beobachten zu können, die ihre Küken bewachten, als auch einige Vögel, die sich im Anflug auf die Brutstätte befanden. Trotz des doch recht hohen Eintrittspreises hat sich dieser kleine Besuch bei den Albatrossen wirklich sehr gelohnt.

"Northern Royal"-Albatrosse am Taiaroa Head

Den Nachmittag verbrachten wir im Herzen Dunedins, schlenderten die Haupteinkaufsstraße, die George Street, bishin zum Octagon hinunter und kamen an sehr vielen Orten und Geschäften vorbei, die sehr viele Erinnerungen in Kathi hervorriefen. Natürlich ließen wir uns auch nicht den wunderschönen Bahnhof entgehen, der bei plötzlich herauskommender Sonne einen besonders guten Eindruck machte. Das Highlight des Tages (zumindest für Kathi) war jedoch, dass wir einen alten Freund von vor sechs Jahren zufällig auf der Straße trafen und sich beide tatsächlich  wiedererkannten. Das war echt ein tolles Gefühl für Kathi, in einer Stadt, die sie sechs Jahre lang nicht besucht hat, immer noch bekannte Gesichter zu treffen.

Rathaus von Dunedin, Bahnhof von Innen und Außen

Gegen Abend rundeten wir unsere kleine Stadtführung mit einem Besuch am St. Kilda-Strand, einem der beiden Stadtstrände Dunedins, ab. Nach einem gemeinsamen Abendessen bei Lyn, machten sich Helge und Johann ein weiteres Mal auf den Weg, um die Gelbaugenpinguine am nahe gelegenen Sandfly-Beach zu beobachten.










St. Kilda Beach, Gelbaugenpinguin am Sandfly Beach, Blick auf Teile Dunedins bei Nacht

Gelbaugenpinguine sind eine bedrohte Tierart, die nur in Neuseeland und auf einigen kleinen Pazifik-Inseln vorkommt. Johann und Helge liefen eine riesige, steile Düne hinab und gelangten so an den Strand, an dem die Pinguine beobachtet werden können. Wenige Minuten später watschelte auch das erste Exemplar vom Meer in Richtung Dünen. Ganz anders als die kleinen Zwergpinguine haben es die Gelbaugenpinguine dabei nicht besonders eilig. Und sie kommen auch nicht in großen Gruppen angeschwommen, sondern offenbar einzeln. Bevor Dunkelheit über die beiden hereinbrach, sahen sie noch zwei weitere Pinguine und einen fetten Seelöwen, der mitten auf dem Strand schlief.

Besuch in der Schokoladenfabrik

 

Am nächsten Morgen besichtigten wir die Fabrik von Cadbury - dem den Markt beherrschenden Schokoladenhersteller in Dunedin. Diese Fabrik ist eine der wenigen, in denen regelmäßig Führungen für die Öffentlichkeit stattfinden, und die Sicherheitsvorkehrungen sind hoch. Nicht um Geheimrezepturen vor Spionage zu schützen, sondern da Touristen offensichtlich dafür bekannt sind, sämtlichen Schmuck, den sie an und bei sich tragen, sowie Kameras und Handys in Schokoladen-Tröge fallen zu lassen und die Produktion für etliche Stunden aufzuhalten. Dies war in unserem Fall allerdings gar nicht möglich, da die Herstellung der Oster-Schokoladen bereits abgehakt war und das einzige Produktionsband, das eigentlich hätte laufen müssen, defekt war (weiße Schokolade ergoss sich aus der Maschine etwa 4 Quadratmeter weit). Dennoch bekamen wir einige interessante Einblicke in die Prozesse der Fabrik - und staubten auch einige Süßigkeiten ab.




Riesiger Berg aus Schokoriegeln und alte Milchautos vor der Fabrik von Cadbury

Diese Kalorien trainierten wir allerdings nach unserem Mittagessen auf ganz elegante Art und Weise wieder ab. Wir fuhren hinaus zur Baldwin Street. Es handelt sich bei ihr um die steilste Straße der Welt. Als Dunedin, die älteste Stadt Neuseelands, von der britischen Obrigkeit am Reißbrett entworfen wurde, vergaß man offenbar die Topografie der Gegend in die Planung miteinzubeziehen. Wie auch immer: wir wanderten die steilste Straße der Welt tapfer hinauf und genossen den Ausblick auf Heerscharen mittelalter bis uralter europäischer Touristen, die keuchend zu Fuß den Gipfel erklommen.



Die steilste Straße der Welt: Wir fragen uns, ob es auch ein Hinweisschild an der flachsten Straße der Welt gibt.

Am Nachmittag trafen wir uns dann mit zwei von Kathis besten Freunden aus alten Dunedin-Zeiten. Mit Jessica und Helen tranken wir Kaffee und es wurde angeregt über damals geplaudert (das hört sich jetzt an, als wären wir auch aus den Bussen an der Baldwin Street gefallen). Zurück bei Lyn genossen wir den letzten Abend in Dunedin (für absehbare Zeit) zusammen mit der ganzen Familie und später mit Lyns Freunden Pat und Gail, die Kathi ebenfalls von vor sechs Jahren kannte.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Christchurch

4. Etappe: Christchurch

Am frühen Morgen trennten sich die Wege von Nicky, Mira und uns. Während die beiden Erstgenannten weiter in den Norden in Richtung Farewell Spit aufbrachen (dem nördlichen Zipfel der Südinsel), zog es uns nach Christchurch, wo wir bei Jayne, der Schwester von Kathis ehemaliger Gastmutter, übernachten würden. Der Weg führte uns über Nelson nach Blenheim. Hier sind die Straßen von Weinstöcken gesäumt. Für einen Schluck Wein wollten wir aber nicht anhalten, denn als Zwischenstopp hatten wir Kaikoura ausgemacht. Etwa 3 Stunden später langten wir dort auch an.

Der kleine Ort Kaikoura liegt mitten im Nirgendwo. Die 200km Strecke von Blenheim nach Kaikoura sind von sehr rauer Landschaft geprägt, die Gegend ist sehr einsam. Plötzlich tut sich dann Kaikoura vor einem auf: Links das türkisfarbene Meer, rechts die "Kaikoura Seawards"-Berge. Die Landschaft ist ein Traum!

Da bei Kaikoura das Meer nach wenigen Metern sehr tief wird, kommen nicht nur Delfine, sondern auch Wale sehr nah vor die Küste geschwommen. Das Fyffe-Haus einer alten Walfängerfamilie ist auf den Knochen von Walen errichtet worden. Die Region lebte früher vom Walfang, heute werden die "einheimischen" Wal-Familien lediglich per Boot besichtigt und Langusten haben Wale auf dem Teller ersetzt. Außerdem gibt es im Meer vor Kaikoura zahlreiche Seehunde.



Seehunde in der Half Moon Bay bei Kaikoura

In der Half Moon Bay, wenige Kilometer nördlich von Kaikoura, konnten wir dann auch viele dieser Exemplare beobachten. Beinahe auf jedem einzelnen Felsen der Küste lag mindestens ein fauler Seehund und sonnte sich.

Angekommen in Kaikoura machten wir eine Mittagspause und fuhren dann ein wenig weiter auf die vorgelagerte Halbinsel. Von dem dortigen Track, der die Hügel der Halbinsel hinaufführt, boten sich wunderbare Ausblicke auf die Berge und das Meer.




Kiesstrand vor Kaikoura, Korallenriffe bei der Halbinsel

Als wir wieder ins Auto steigen wollten, es warteten ja schließlich noch knapp 3 Stunden Fahrt nach Christchurch auf uns, staunten wir allerdings noch ein bisschen mehr. Keine fünf Meter von uns lag ein Seehund in der Mitte vom Parkplatz und hielt ein Nickerchen. Wir hielten ein wenig Sicherheitsabstand, da diese Tiere, wenn sie verwirrt sind oder sich bedroht  fühlen, sehr ungemütlich werden können...

Pünktlich um sieben Uhr erreichten wir das Ziel dieser Etappe. Christchurch wirkte auf den ersten Metern überhaupt nicht wie die drittgrößte Stadt Neuseelands, und auch von den Schäden des verheerenden Erdbebens sahen wir zunächst nicht viel. Als wir uns der Innenstadt näherten, waren dann aber doch noch einige Straßen gesperrt, viele Arbeiten an der Asphaltdecke und hier und da konnte man sehen, wie die Kraft des Erdbebens von 2011 Geländer und Halterungen für Straßenschilder spielerisch verbogen hatte.

Bei Jayne angekommen wurden wir herzlich empfangen und nach einem gemütlichen Abend ließen wir uns in die weichen Betten fallen.

Akaroa, ein lang ersehntes Wiedersehen und die zerstörte Stadt  

 

Unser zweiter Tag in Christchurch begann mit einem ausgedehnten Frühstück und einem kleinen Einkauf, um unsere Essensvorräte wieder ein wenig aufzustocken. Als all diese Dinge erledigt waren, machten wir uns auf den Weg nach Akaroa, einem Ort auf der östlich von Christchurch gelegenen Banks-Peninsula. Wie ein gestrandeter Wal erstreckt sich die begrünte Landzunge in türkis-grünes Meer. Was früher mal ein Vulkan war, ist nun zum Teil eingefallen und der Pazifik eingeströmt. Auf diese Weise entstanden zwei Naturhäfen: Lyttleton und Akaroa.

Vor allem Akaroa erfreut sich nicht nur bei Neuseeländern größter Beliebtheit. Der Nachbarort von Akaroa wurde von einer Handvoll französischer Auswanderer gegründet. Als die von atemberaubenden Reiseberichten eines Landsmannes angelockten Siedler in Neuseeland ankamen, mussten sie erkennen, dass die Südinsel bereits von den  Briten annektiert worden war. Doch selbst diese Neuigkeit konnte sie nicht davon abbringen, Duvauchelle zu gründen. Dadurch lässt sich auch der Einfluss französischer Kultur auf der Banks-Halbinsel erklären, der auch vor Akaroa nicht Halt gemacht hat. Überall weht die Tricolore.




Oldtimer in Akaroa, Blick auf die Bucht 

Während wir uns per Auto von Christchurch aus auf den Weg gemacht hatten, hatte in der Bucht vor Akaroa ein Kreuzfahrtschiff geankert und seine Passagiere auf den kleinen Ort losgelassen. Daher war es dort für neuseeländische Verhältnisse sehr lebhaft. Wir fuhren einmal durch das Dorf hindurch, einen Hang hinauf in Richtung des Leuchtturms. Als die Straße nach einigen Kilometern zu einer Schotterpiste wurde, beschlossen wir Plum zu schonen und zu Fuß weiterzugehen. Der Ausblick auf das "Innere des Vulkans" war wunderschön.

Zurück im Ort machten wir einen Fish´n´Chips-Laden ausfindig, der uns empfohlen worden war. Und tatsächlich aßen wir hier zum ersten Mal das Lieblingsgericht der Neuseeländer ohne das Gesicht zu verziehen. Bei schönstem Urlaubswetter fuhren wir am Nachmittag wieder die Banks Peninsula gen Norden hinauf. Unser Ziel: der kleine Ort Lincoln. Dort kam es zu einem besonderen Wiedersehen.

Kathi traf dort ihre neuseeländische Freundin Beth wieder, die sie vor sechs Jahren in Dunedin kennen gelernt hatte. Wir saßen zusammen auf der Terrasse des einzigen Pubs von Lincoln und es wurden fleißig Geschichten von heute und damals ausgetauscht. Lincoln ist wirklich klein und liegt irgendwo in der Pampa, etwa 30 Kilometer entfernt von Christchurch. Dennoch wird der ort wohl immer Zulauf haben, denn hier befindet sich die Universität von Christchurch.

Auf unserem Rückweg nach "Chch" (wie die Einheimischen ihre Stadt abkürzen) fuhren wir durch Lyttleton, das einen Industriehafen und einige vom Einsturz bedrohte Häuser besitzt (nicht wirklich sehenswert) und bogen dann auf den Highway in Richtung Innenstadt ein.

Zerstörung in Christchurch, Überreste der Christ Church Cathedral (rechts) 

Die Innenstadt von Christchurch ist gespenstisch still. Den Kern der Stadt kann man heute, ziemlich genau zwei Jahre nach dem schweren Erdbeben, immer noch nicht betreten. Alle Häuser sind leer, die einzigen Menschen in den Straßen vor den Zäunen sind mit Kameras bewaffnete Touristen, die sich ein Bild vom Ausmaß der Tragödie machen wollen. Aus Bergen von Schutt ragen einige, dem Abriss geweihte, Hochhäuser mit zerbrochenen Fensterscheiben empor. Es ist eine graue, leblose Wüste. An einer Stelle der Innenstadt darf man etwas näher an die Zerstörung herantreten. Es ist der Ort, an dem sich Christchurchs Wahrzeichen, die Kathedrale, befindet. Die Christ Church steht immer noch an ihrem Ort, ist aber an vielen Stellen stark beschädigt und der majestätische Turm ist komplett eingestürzt. Das, was von der Kathedrale über ist, lässt nur erahnen, wie schön sie gewesen sein muss.

Bei dem Christchurch-Erdbeben vom 22. Februar 2011 starben 185 Menschen. Es wird davon ausgegangen, dass bis zur Beendigung des Wiederaufbaus der Stadt 10.000 Wohnhäuser abgerissen und etwa 100.000 repariert worden sein werden. Die Gesamtkosten des Wiederaufbaus sollen sich auf 20 Milliarden Neuseeland-Dollar belaufen. Das entspricht 12,6 Milliarden Euro.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Richmond

3. Etappe: Richmond

Um 14:30 Uhr verließen wir das windige Wellington, das am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein sein hübsches Gesicht präsentiert hatte. Am Tag unserer Abreise jedoch regnete es zwischenzeitlich in Strömen. Die Interislander-Fähre, die den nördlichen Teil Neuseelands mit der Südinsel verbindet, ist äußerst geräumig. Und da wir Plum sicher verstaut im Bauch des Schiffes wussten, verbrachten wir die drei Stunden Fahrt mit umkämpften Siedler-Partien.

Als die Fähre in die Marlborough Sounds des Nordens der Südinsel einbog, mussten wir leider feststellen, dass das Wetter hier nicht besser war als in Wellington. Das, was wir sehen konnten, ließ aber vermuten, dass die Gegend traumhaft schön ist.

Links und Mitte: Einfahrt in die Marlborough Sounds, rechts: unser Umweg übers Land

Wir entschlossen uns, vom Fähranleger in Picton über eine Straße direkt an der Küste über Havelock und Nelson zu unserer Unterkunft in Richmond zu fahren. Allmählich wurde das Wetter besser und konnten - nachdem wir einen bangen Moment, an dem sich die Nadel der Tankanzeige bedrohlich gen Null neigte, durch Last-Minute-Tanken in Havelock übserstanden hatten - den Ausblick auf die Buchten der Gegend genießen.

Wenige Kilometer hinter Havelock zwang uns ein schwerer Autounfall auf unserer Strecke, über eine Umleitung, die komplett über Schotter führte, zu fahren. Kurz hinter der Unfallstelle, die dann natürlich nicht mehr voll gesperrt war, trafen wir wieder auf die idyllische Strecke, fuhren weiter durch das Rai-Tal, durch eine Gebirgslandschaft in Richtung Nelson. In diesem Ort sind angeblich besonders viele deutsche Einwanderer gelandet. Daher soll es dort auch richtiges Brot geben, was wir auf jeden Fall austesten werden. Heute konnten wir (nur) einen wunderschönen Sonnenuntergang bestaunen.






Gegend bei Nelson in der Abenddämmerung

Gegen 21 Uhr und geschlagene drei Stunden nach Ankunft in Picton waren wir bei unserem Motel in Richmond angekommen. In Richmond trafen wir auf unsere Hohepa-Mitstreiter Nicky und Mira, die um die Ecke campen. Die beiden hatten netterweise ein Abendessen für uns alle vorbereitet. Morgen werden wir mit ihnen einen Segelausflug durch die Küstenregion des Abel-Tasman-Nationalparks machen. Wir drücken uns derweil selbst die Daumen, dass sich die Sonne wieder blicken lässt.

Abel-Tasman-Nationalpark

 


Unser Segelausflug startete in Kaiteriteri, einem winzigen Ort kurz vor dem Eingang zum Abel Tasman National Park. Die Küstenregion von Neuseelands kleinstem, aber am häufigsten besuchten, Nationalpark kann man nur über Wasser oder Wanderwege erreichen. Daher blüht das Geschäft mit Wassertaxis und anderen Arten das Meer zu befahren in der Region.

Am Strand wartete der Skipper des Katamarans auf uns. Er sieht aus wie eine Mischung aus Helge Schneider und Iggy Pop (der Segler, nicht das Boot). Die sonstige Besatzung bestand aus zwei Asiaten und drei Deutschen. Bei sehr bewölktem Himmel und recht kalten Temperaturen ging es los. Wir segelten nordwärts in die Küstenregion des Abel Tasman National Parks hinein.




Meeresbewohner in der Küste des Nationalparks

Wir hielten gelegentlich an besonders schönen Buchten, in denen das türkisfarbene Wasser unter anderem Seehunde barg. Als wir zur Mittagspause eine besonders einladend aussehende Bucht (The Anchorage) ansteuerten, kam die Sonne zum Vorschein. Während wir unser Mittagessen verspeisten, ließen wir uns also von den Sonnenstrahlen aufwärmen - und zu unserem Glück blieb der Tag von da an sonnig und warm. Nach 6,5 Stunden legten wir wieder in Kaiteriteri an. Wir hatten viel gesehen und waren völlig entspannt von unserem geruhsamen Ausflug.



The Anchorage Bay (links und rechts), Meer vor Kaiteriteri (Mitte) 

Da erst früher Nachmittag angebrochen war, beschlossen wir, dem nahe gelegenen Takaka Hill (mit fast 2000m eher ein Berg als ein Hügel) einen Besuch abzustatten. Die extrem kurvige Straße schlängelt sich den aus Marmor bestehenden Berg hinauf. Auf unserem Weg zu den Harwood´s Holes (die wir nach dem Zufallsprinzip als Ziel ausgewählt hatten) passierten wir einige tolle Aussichtspunkte. Bei der Straße zu den ominösen Harwood´s Holes bogen wir ein; die folgenden 11km quälten wir unser Auto eine Schotterpiste in äußerst schlechtem Zustand hinauf. Erstaunlicherweise war die Straße recht stark befahren.




Blick in den Abgrund: Die Harwood´s Holes  auf dem Takaka Hill 

Den Grund dafür erkannten wir, als wir bei den Canaan Down, einem den Löchern vorgelagerten Plateau, anlangten. Hier fand ein Festival statt. Zahlreiche junge Menschen in drolligen Ponchos kamen uns entgegen und mindestens dreimal dachten wir, Jesus wäre uns erschienen. Dank der generösen Sicherheitskräfte durften wir das Gelände queren und erreichten endlich den Parkplatz vor den Holes. Nach einem schönen, 45-minütigen Spaziergang erreichten wir die Harwood´s Holes.

Blick vom Lookout oberhalb der Harwoods´s Holes

Es handelt sich dabei um Neuseelands tiefste Felsspalte. Völlig ungesichert trauten wir uns nicht an den Rand des 184 Meter tiefen Abgrundes. Da wir schonmal dort waren, beschlossen wir, auf unserem Rückweg noch einen Umweg über einen Aussichtspunkt auf dem Gipfel des Berges zu machen. Obwohl wir schon ziemlich entkräftet waren, entschädigte der Ausblick für alle Kraftanstrengungen. Vor uns erstreckte sich ein grünes Tal, durch das sich ein Fluss schlängelte. Im Abendlicht war diese Szenerie einfach wunderschön.

Vom Parkplatz aus machten wir uns auf den Heimweg und erreicht erst gegen 22 Uhr hungrig und müde das Motel.

 

Takaka

 

Am nächsten Tag fuhren wir - erneut mit Mira und Nicky - nach Takaka am nördlichen Rand des Abel Tasman National Parks. Dazu mussten wir die einzige dorthin führende Straße, den "Takaka Hill Highway", nehmen. In Serpentinen schlängelt sich der vermeintliche Highway hinauf und genauso quälend eng den Takaka Hill wieder hinunter. Alle, die nach Takaka wollen, müssen von Richmond aus diesen Weg wählen, weshalb wir auch zahlreichen LKW begegneten.

In der Nähe von Takaka führt eine kleine Straße zu den Pupu-Quellen. Diese Quellen, das besagt angeblich die Wissenschaft, bringen das klarste Wasser der Welt hervor. Und in der Tat ist es, als sähe man durch ein Fenster, wenn man in den kleinen See blickt. Hier sprudelt das klare Nass einfach aus dem Boden, bildet einen See, der am Ende zu einem Bach wird. Der Spaziergang entlang des Wassers war ein voller Erfolg und am Ufer bei den Quellen aßen wir unsere Sandwiches. Später fuhren wir weiter in Richtung Nationalpark. Wir wollten uns von Norden nähern und über eine Schotterstraße ein kleines Stück in den Park hineinfahren. Eigentlich war der Plan, hier eine Wanderung entlang der Küste zu starten, aber wir waren einfach zu faul. Und daher legten wir uns an den goldgelben Strand von Taranui und relaxten.

Te Waikoropupu Springs (links und Mitte): Die klaren Quellen sind den Maori heilig. Rechts: Strand bei Taranui

Auf dem Rückweg hielten wir dann doch noch bei dem Beginn eines Wanderweges und machten, um unser Gewissen zu beruhigen, eine kleine Wanderung zu einem Felsen, von dem man eine gute Sicht in die nun wieder wolkenverhangene Bucht hatte. Über die selbe Gravel Road ging es wieder zurück, über eine Asphaltstraße, die auf einem Abschnitt von 6km alle 100 Meter zur Hälfte in Richtung Meer abgesackt war (für die Neuseeländer kein Grund die Straße zu sperren und/oder zu reparieren, sondern lediglich Grund genug, mit Hilfe von Markierungen die Vorfahrt an diesen Stellen zu regeln).

Zurück in Richmond ließen wir den Tag an unserem letzten gemeinsamen Abend auf der Südinsel ruhig ausklingen.

Sonntag, 3. Februar 2013

Wellington


 

Südinsel-Tour, Etappe 2

Unser Weg führte uns am nächsten Morgen von Wanganui nach Wellington, der Hauptstadt Neuseelands. Diese Stadt ist mit ihren 400.000 Einwohnern deutlich kleiner als Auckland und dennoch hat man den Eindruck hier in einer richtigen Großstadt angekommen zu sein. Dadurch, dass die Stadt zwischen Meer und steile Berge gequetscht wurde, ist Platz Mangelware. Das führte dazu, dass hier auch endlich mal in die Höhe gebaut wurde. Während das Platzproblem relativ einfach umgangen werden konnte, bereitet ein anderes Problem weiterhin Kopfzerbrechen: die Erdbebengefahr. Die Stadt ist auf der so genannten Wellington-Falte erbaut worden, einer Stelle, an der sich zwei Erdplatten ineinander verkeilt haben. Daher gibt es hier im Wochentakt ein Erdbeben...

Angekommen bei Arne (einem Verwandten von Helges ehemaliger Nachbarin Anke), kamen wir in den Genuss bester Gastfreundschaft. Er wohnt zusammen mit seinem momentanen Mitbewohner José (aus Portugal) in einem traumhaften Haus am Hange des Mount Victoria mit Blick auf die eine Seite der Bucht Wellingtons - inklusive Flughafens, was Helge sehr freute.

Blick von der Terrasse unseres Gastgebers

Am Nachmittag machten wir eine kleine Wanderung auf den Gipfel des Mount Victorias, von wo aus man eine Rundum-Aussicht über Wellington hat. Von dort liefen wir in Richtung Innenstadt, vorbei an der Botschaft von Mittelerde (einem Kino, in dem unter anderem die Weltpremiere des "Hobbit" stattgefunden hatte), hin zum "Te Papa", dem Nationalmuseum Neuseelands. In diesem modernen und riesengroßen Ausstellungsort verbrachten wir etwa eineinhalb Stunden und verließen das Te Papa mit dem Gefühl, nicht mal einen Bruchteil der gesamten Ausstellung gesehen zu haben. Nach einem kleinen Spaziergang über den sonnengefluteten Hafen Wellingtons nahmen wir den Bus zurück zu Arnes Haus.

Links: Blick vom Mount Victoria auf den Hafen Wellingtons, Mitte: die Botschaft von Mittelerde, rechts: Trolle aus dem Film "Der Hobbit" im Te Papa-Museum. Nicht umsonst wird die Wirkungsstätte Peter Jacksons auch als Welliwood bezeichnet!

Dort warteten die beiden Mitbewohner auf uns und wir bereiteten den Grillabend vor. Absolut köstlich! Besonders toll war es, hier endlich wieder richtiges Brot zwischen die Zähne zu bekommen. Von dem ganzen Toast in allen seinen labbrigen Varianten haben wir nämlich genug...

Wanganui

Südinsel-Tour, Etappe 1

Stand letzter Nacht stellte sich unserem Südinseltrip mal wieder unser eigenes Auto in den Weg. Während des Beladens bemerkten wir, dass sich der Wagen plötzlich nicht mehr verriegeln ließ. Dieser Mangel musste natürlich vor dem Aufbruch behoben werden.

Also fuhr Kathi den guten Plum morgens zum Mechaniker. Glücklicherweise war nur eine Sicherung durchgebrannt - und die daran hängende Elektronik waren Radio, Zigarettenanzünder und Zentralverriegelung. Wenige Minuten und  5 Dollar später war der nervenraubende Polo dann fahrtüchtig (genug).





Wilde Landschaft nördlich von Wanganui

Gegen 11 Uhr ging unsere Reise zur Südinsel los: mit einem dick bepackten Wagen und zwei
Insassen, die nun wirklich urlaubsreif waren.

Die Fahrt verlief dann aber ohne Zwischenfälle. Nach etwa drei Stunden erreichten wir den Tongariro National Park, den wir erst am letzten Wochenende besucht hatten. Von dort an war die Strecke neu für uns. Sie war gesäumt von unzähligen grün bewachsenen Vulkanhügeln. Ortschaften waren Mangelware, andere Verkehrsteilnehmer auch, und so bekamen wir einen ersten Eindruck von der Einsamkeit, die auf der Südinsel auf uns wartet.

Nach fünfeinhalb Stunden erreichten wir planmäßig unser Hostel in Wanganui, einem idyllisch gelegenen und verhältnismäßig großen Ort. Das Hostel war, mit Ausnahme von unserem Zimmer, recht großzügig angelegt. Nachdem wir in einer halbstündigen, brutalen Reinigungsaktion das Zimmer von seiner gesamten Fliegenpopulation befreit hatten, konnten wir uns aber auch dort wohlfühlen.